Antrag & Petition – 770.000 Plastikpfandflaschen, 1.400.000 Glasflaschen und 1.170.000 Süßigkeiten-Verpackungen schwimmen jährlich im Rhein an Köln Richtung Nordsee vorbei. Und kaum einen interessiert es.

Am 8. April hat der Bundesverband Meeresmüll e.V. (BVMM) einen Antrag zum Tätigwerden bei der Bezirksregierung Köln. Bezirksregierung muss geeignete Vorgaben zur Verhinderung des Eintrags und zur Beseitigung von Müll im Rhein setzen und am 16. April hat der Petitionsausschuss des Bundestag unsere Petition angenommen!

Anfang April hat der Bundesverband Meeresmüll e.V. und der Kölner Müllsammelverein K.R.A.K.E. e.V. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommandoeinheit) mit Hilfe eines Umweltrechtsanwaltes einen Antrag auf Tätigwerden bei der Bezirksregierung Köln eingereicht. Die Bezirksregierung Köln ist die zuständige Gewässeraufsichtsbehörde für den Rheinabschnitt in Köln. Diese kann, und in diesem Fall sogar muss, Unterhaltungsmaßnahmen (inkl. ökologische Funktionsfähigkeit) gegenüber dem Träger der Unterhaltungslast (der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung) festlegen. Wir fordern das Aufsetzen eines Überwachungsprogrammes und das Ergreifen von Maßnahmen zur Reduzierung der Vermüllung des Rheins.

Die Petition die der Bundesverband Meeresmüll e.V. und der K.R.A.K.E. e.V. bereits 2024 beim Bundestag eingereicht wurde am 16.4.2026 besprochen und kommt ebenfalls zu dem Ergebnis: die jeweils zuständige Behörde ist befugt, geeignete Maßnahmen anzuordnen, um Beeinträchtigungen des Wasserhaushalts zu vermeiden oder zu beseitigen. Gleichzeitig geben die Politiker auf, indem Sie aktuell keine direkten Handlungsempfehlungen festlegen.

Nicolas Schweigert erklärt: Mehr als 80% des Mülls in den Meeren kommt aus Flüssen (Meijer et al. (2021), Science Advances; The Ocean Cleanup). Auch in Deutschland schwimmt Müll über unsere großen Flüsse (z.B. Rhein, Elbe, Weser, Oder) die große Mengen, fast ungehindert, Richtung Nord- und Ostsee. Die Studie der K.R.A.K.E. zur Rheinkrake hat gezeigt, dass weit mehr Müll im Rhein schwimmt als bisher geschätzt. Täglich schwimmen 53.000 Müllteile im Rhein an Köln vorbei. Die Schutzprogramme für Nord- und Ostsee (OSPAR und HELCOM) zeigen, dass sich auch weit mehr Müll in den Meeren befindet. Die EU hat einen Grenzwert von 20 Müllteilen auf 100 Meter Küste für unsere Meere definiert, alles darüber ist schädlich für Flora, Fauna und Menschen. In der Nordsee ist der Wert bei 252 Teilen auf 100 Metern und damit 12 mal höher als der Grenzwert (OSPAR Status Report 2023). In der Ostsee waren es 142 Teile auf 100 Metern (HELCOM 2023 Beach Litter Report). Leider fehlt so ein Grenzwert und das Vorgehen für die Flüsse. Der Müll schwimmt einfach weiter“. Finanzieren ließe sich das über den Einwegkunststofffonds (EWKFond) und die EU-Verpackungsverordnung, bei denen die Kosten direkt den Hauptverursachern auferlegt werden.

Solange Müll entsteht und in den Flüssen oder Meeren landet, müssen wir ihn einsammeln. Die Lösung beginnt mit der Anerkennung der Verantwortung. Nicolas Schweigert erklärt: „Dieser Antrag ist wahrscheinlich das bürokratischste was ich in meinem Leben gemacht habe. Aber nur mit netten Gesprächen kommen wir nicht voran. Aktuell ist niemand interessiert das Thema Vermüllung der Flüsse anzugehen. Dabei gibt es Lösungen, nur es ist immer bequemer nichts zu machen. Im Zweifel schwimmt der Müll einfach weiter, dann ist er ja nicht mehr bei uns … (O-Ton aus vielen Gesprächen).“ Neben dem Müllsammeln müssen wir effektive Strategien umsetzen, um den Mülleintrag zu reduzieren. Hier sind ein paar Beispiele:

  • Jedes Jahr schwimmen rund 770.000 Einweg‑Plastikpfandflaschen an Kölner im Rhein vorbei. Nach 23 Jahren könnte es an der Zeit sein, das Pfand anzupassen.
  • Etwa 1.400.000 Glasflaschen – vor allem von alkoholischen Getränken – schwimmen in Köln vorbei. Auch hier wäre eine Pfandanpassung sowie eine verbindliche Mehrwegquote für alle Hersteller und Flaschenarten ein möglicher Ansatz, wie verschiedene Umweltorganisationen betonen.
  • Rund 1.170.000 Süßigkeiten‑Verpackungen schwimmen jedes Jahr an Köln vorbei. Hier müsste die Herstellerverantwortung neu geregelt werden: entweder umweltfreundliche Verpackungen oder eine stärkere Kostenbeteiligung an der Reinigung.
  • Außerdem wird gefordert, dass das Einwegkunststofffonds‑Gesetz dort angewendet wird, wo der Müll tatsächlich landet: nicht nur in Innenstädten, sondern auch in Naturschutzgebieten, Flüssen und Meeren. Produkte, die besonders zur Vermüllung beitragen, sollten stärker belastet werden als solche, die dies nicht tun. So würden problematische Produkte verbessert oder langfristig vom Markt verschwinden.

Gerne sind wir bereit alle nötigen Akteure zu unterstützen und uns einzubringen. Seit vielen Jahren versuchen wir als Bundesverband Meeresmüll (und viele weitere Organisationen) auf den Müll in den Flüssen und Meeren hinzuweisen. Bisher leider ohne entscheidenden Erfolg. Daher gehen wir nun den nächsten Schritt und stellen hiermit einen juristisch begleiteten Antrag auf Tätigwerden.

Der Bundesverband Meeresmüll e.V. bündelt die deutschen Interessen zur Vermeidung und Beseitigung von Meeresmüll zentral und ist deutscher Ansprechpartner für alle nationalen und internationalen Partner*innen, die im Fachgebiet Meeresmüll tätig sind. Vereine im Ehrenamt können hier nur wichtige Unterstützungsarbeit leisten, aber nicht die Hauptlast tragen.”

K.R.A.K.E. e.V. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommandoeinheit) ist ein ehrenamtlicher Umweltverein aus Köln, der sich aktiv gegen Müll in der Umwelt einsetzt, insbesondere am Rheinufer. Der Verein, oft als eine der aktivsten Cleanup-Gruppen Deutschlands bezeichnet, organisiert regelmäßige Sammelaktionen, betreibt eine schwimmende Müllfalle („Rheinkrake“) und engagiert sich für Aufklärungsarbeit.

Quellen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert