Offener Brief an Umweltministerin Schulze: Plastikflut stoppen

Anlässlich des Treffens der EU-Umweltminister*innen am 23. Oktober in Luxemburg, welches unter deutschem Vorsitz stattfindet, veröffentlichte das zivilgesellschaftliche Bündnis „Wege aus der Plastikkrise“ heute einen Offenen Brief an Bundesumweltministerin Svenja Schulze. In dem Brief fordert das Bündnis aus namhaften deutschen Umwelt- und Gesundheitsorganisationen sich während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft entschieden gegen immer größer werdende gesundheits- und umweltgefährdende Plastikmüllberge einzusetzen.

Abfallberge in der EU und in Deutschland erreichen jedes Jahr neue Rekordwerte. Deutschland gehört dabei zu den traurigen EU-weiten Spitzenreitern im Verursachen von Verpackungsmüll. Die Probleme in Deutschland und den EU-Staaten ähneln sich: es werden immer mehr, teilweise giftige, Einwegverpackungen und -produkte in Verkehr gebracht, Wiederverwendung spielt nur eine untergeordnete Rolle und ein hochwertiges Recycling kommt nicht in Fahrt.

Angesichts dieser Tatsachen appelieren die Unterzeichner*innen des Briefes an die Ministerin: „Um die Plastikkrise zu lösen, muss die Produktion von Einwegplastik drastisch reduziert werden. Produkte und Verpackungen müssen die Erfordernisse für eine schadstofffreie, klima- und ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft erfüllen. Setzen Sie sich deshalb auf nationaler und europäischer Ebene für eine konsequente Abfallvermeidung sowie die Förderung von Mehrwegsystemen und eines hochwertigen Recyclings ein. Sorgen Sie auch auf internationaler Ebene für die Entwicklung eines starken UN Plastik-Abkommens. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft bietet eine große Chance die genannten Maßnahmen zügig voranzubringen.“

Links:

Offener Brief des Bündnisses „Wege aus der Plastikkrise“ an Bundesumweltministerin Svenja Schulze

PressemitteilungOffener Brief an Umweltministerin Schulze: Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert entschiedenes Handeln gegen Plastikmüll während der EU-Ratspräsidentschaft

Forderungskatalog des Bündnisses „Wege aus der Plastikkrise“ als Kurzbroschüre und in ausführlicher Fassung.

www.exit-plastik.de

Wir können nicht ewig aufräumen – Hersteller müssen Verantwortung übernehmen!

Wir stehen auf der Seite von Little Jimmy!

Am Samstag, 19. September 2020, vereinte sich die Welt zum World Cleanup Day. Wir haben am Strand in Eckernförde rund 29 kg Müll gesammelt und die Marken der Hersteller dokumentiert. Vor allem Kippen und Einwegplastik-Verpackungen waren darunter.

Doch wir sollten und wollen nicht ewig aufräumen! Es ist an der Zeit, dass die Industrie und die globalen Unternehmen Verantwortung für ihren endlosen Strom an Einwegplastik übernehmen. #NewPlasticNarrative

Plastik muss der Quelle zu reduziert werden. Das Video von The Animation Workshop und Plastic Change erzählt die Geschichte der Verantwortung die den Unternehmen zukommt.

Für ein echtes Verbot von Einwegplastik – Jetzt Petition unterschreiben!

Jetzt Petition unterschreiben und teilen: https://act.wemove.eu/campaigns/einwegplastik-stoppen

Einwegplastik überschwemmt unsere Umwelt und verschmutzt unsere Meere. Mikroplastik ist inzwischen überall zu finden – sogar in Obst und Gemüse.

Endlich wurde ein EU-Verbot für Einwegplastik beschlossen, welches in allen europäischen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden muss, so auch in Deutschland. Aber jetzt, wo es umgesetzt werden soll, setzen die Hersteller alles daran, Ausnahmen zu fordern.

Die EU-Kommission muss sicherstellen, dass das EU-Verbot von Einwegplastik nicht durch Ausnahmen und zugelassene Ersatzstoffe in den Richtlinien verwässert wird!

Unterstützt diese Forderung und unterschreibt jetzt die Petition! https://act.wemove.eu/campaigns/einwegplastik-stoppen

Welt Cleanup Tag am 19. September – Plastikhersteller zur Verantwortung ziehen!

Am 19.09.2020 werden weltweit wieder Millionen von Menschen Müll sammeln gehen und damit ein Zeichen gegen die Verschmutzung unserer Ozeane und an Land setzen. Insbesondere geht es hier natürlich um Plastik, welches unsere Umwelt überflutet und ein massives Problem darstellt. Zusammen mit der Eckernförde Touristik & Marketing GmbH, läd der Bundesverband Meeresmüll e.V. , bereits im vierten Jahr in Folge, zum Strand Cleanup nach Eckernförde ein. Schon jetzt haben sich zahlreiche Schulklassen angemeldet, um diese Aktion tatkräftig zu unterstützen. Das ist großartig!

Neben dem Cleanup werden wir einen Brand Audit in Eckernförde durchführen. Hier werden die Marken, die auf den Verpackungen und Produkten zu sehen sind, zusätzlich dokumentiert. Das hilft dabei, die Unternehmen zu identifizieren, die für die Plastikverschmutzung verantwortlich sind.

Plastik ist kein Müll-Problem, sondern ein Produktions-Problem!

Es beginnt schon bei der Förderung von Erdöl für die Herstellung von Plastikverpackungen und -produkten und verursacht entlang des gesamten Lebenszyklus Schäden an Umwelt, Gesundheit und Klima. Und egal wie sehr wir als Konsument*innen versuchen, den Kauf von Kunststoff zu vermeiden und egal wie viel wir recyceln – bei den aktuellen Produktionsraten von (Einweg-)Plastikverpackungen und -produkten wird das niemals genug sein. Um das Plastikproblem wirklich zu lösen, müssen die hauptverantwortlichen Unternehmen aufhören, unnötiges Einwegplastik herzustellen und zu vermarkten. Sie müssen echte Lösungen entwickeln, sodass keine Einweg-Plastikverpackungen mehr erforderlich sind.

Deshalb sind in den letzten Jahren Menschen auf der ganzen Welt dem Aufruf der globalen #Break Free From Plastik (BFFP) Bewegung gefolgt und haben Hunderte von Brand Audits durchgeführt, um die weltweit größten Umweltverschmutzer herauszufordern. Durch die Kategorisierung und Zählung der Plastikverpackungen und -produkte verschiedener Marken haben sie dazu beigetragen, die Unternehmen zu identifizieren und sichtbar zu machen, deren Müll am häufigsten in den Meeren und an unseren Stränden zu finden sind.

Organisiert auch ihr einen eigenen Brand Audit!

Mehr Informationen zur Durchführung eines Brand Audits und die Ergebnisse der letzten Jahre gibt es direkt von BFFP unter: https://www.breakfreefromplastic.org/brandaudittoolkit/

Übrigens…

Der Bundesverband Meeresmüll e.V. fordert in einem Bündnis von großen zivilgesellschaftliche Akteur*innen die Bundesregierung auf, entschlossenen zu handeln, um die Plastikflut zu stoppen. Die Haftung von Herstellern und Inverkehrbringern für die durch Plastik verursachten Schäden sowie der Stopp der Herstellung und Vermarktung von Einwegprodukten sind Gegenstand der 15 politischen Forderungen zur Lösung der Plastikkrise.

ww.exit-plastik.de

Umweltschützerin des Bundesverbands Meeresmüll inspiriert Masterstudierende der NORDAKADEMIE

Masterstudierende der NORDAKADEMIE befassen sich schon in der ersten Phase ihres Studiums intensiv mit der sozialen und ökologischen Verantwortung von Unternehmen. Die Pflichtveranstaltung „Wirtschaft & Ethik“ mit Prof. Dr. Holger Petersen bietet hierfür in einem 3-Tages-Block viel Raum, um an Beispielen Möglichkeiten der Verantwortungsübernahme aufzuzeigen.

In diesem Rahmen lieferte die Fahrt des Forschungs- und Medienschiffs Aldebaran und die aktuelle Kampagne zur Bekämpfung von Mikroplastik einen willkommenen Anlass, dieses drängende Thema mit Masterstudierenden des Studiengangs Wirtschaftsrecht zu behandeln. Via ZOOM schaltete sich am 25. Juni 2020 Frau Carla Wichmann in die virtuelle Veranstaltung ein. Als Koordinatorin der Kampagne und Leiterin der Geschäftsstelle erläuterte Frau Wichmann anschaulich in einem prägnanten Vortrag, weshalb unser derzeitiger Konsum von Kunststoffprodukten bereits in der Produktion teure, kaum reversible Schäden an Natur und Mensch verursacht. Am Ende mündet der Konsum in der Vermüllung von Gewässern und Böden, wo sich das extrem langlebige Material in Form von Mikropartikeln anreichert, womit erhebliche Gesundheitsrisiken für Menschen, Tiere, Pflanzen und gesamte Ökosysteme einhergehen.

Als Produzenten und Vertreiber von Kunststoffprodukten tragen Unternehmen hierfür neben den Verbrauchern eine maßgebliche Mitverantwortung. An Unternehmensbeispielen aus der Lebensmittelindustrie, des Einzelhandels und der Textilbranche erarbeiteten die Studierenden in Arbeitsgruppen mit Carla Wichmann erste Handlungsempfehlungen zur Vermeidung von Verpackungen, wie beispielsweise durch Mehrwegkonzepte, zur Schließung von Stoffkreisläufen und zur Nutzung alternativer Materialien.

Im Zuge der Gruppenarbeit wurde einerseits deutlich, dass einige Unternehmen, zum Beispiel aus dem Outdoor-Branche oder gewisse Drogerieketten, die Relevanz des Problems für ihr Geschäft erkannt haben und zu einer Eindämmung beitragen. In bestimmten Fällen, wie bei der Vermeidung von intendiert hinzugefügten Mikropartikeln in Körperpflegeprodukten, sind Lösungen relativ einfach zu finden und werden bereits umgesetzt. Andererseits wurde auch bewusst, dass Unternehmen wie Nestlé oder H&M für eine wirksame Kehrtwende viel tiefer in ihre Geschäftsmodelle eingreifen müssen, um die Menge schnelllebiger Einwegprodukte, gesundheitsgefährdender Additive und überflüssiger Verpackungen drastisch zu reduzieren. In einigen Bereichen wie zum Beispiel bei der Konstruktion von Reifen und wetterfesten Textilien ist zudem technischer Innovationsgeist gefragt, um die gewünschten Materialeigenschaften künftig im Einklang mit ökologischen und gesundheitlichen Anforderungen anbieten zu können. 

Schließlich plädierten die Studierenden auch für internationale Reglementierungen, um die Innovationskraft der Unternehmen in die gewünschte Richtung zu lenken.

Näheres zur Kampagne und zur Fahrt der Aldebaran unter: https://bundesverband-meeresmuell.de/elbe-tour-2020/.

Welcher Handlungsbedarf aus Sicht des zivilgesellschaftlichen Bündnisses „Wege aus der Plastikkrise“ auf Ebene der Bundesregierung besteht, um die Plastikflut zu stoppen, lässt sich hier nachlesen: www.exit-plastik.de.

Elbe-Expedition 2020 mit der ALDEABARAN von Tschechien bis zur Nordsee: Dem Plastik auf der Spur

Wie können wir der Plastikkrise den Wind aus den Segeln nehmen? Auf unserer vierwöchigen Expedition an Bord des Forschungs- und Medienschiffs ALDEBARAN entlang der Elbe dreht sich alles um die globale Plastikproblematik. Auf unserer Tour gehen wir Mikroplastik in der Elbe auf den Grund, beleuchten den Zusammenhang von Klimakrise und Plastikproduktion und setzen uns mit Schadstoffen in Lebensmittelverpackungen und vielen weiteren spannenden Themen auseinander. Seid dabei und erfahrt, was auch ihr gegen die Plastikkrise tun könnt!

Zur Website mit allen Infos und den Etappen der Tour geht es hier.

Die Pressemitteilung zum Start der Tour vom 03.06.2020 findet sich hier: Pressemitteilung_Wege aus der Plastikkrise_05.02.2020

Webportal bietet Bildungsmaterial zu Plastikmüll

(c) Dieter Scheppeit

Neues Angebot für Lehrer*innen und Workshopleiter*innen

Plastik dominiert unseren Alltag. Mit Zerfallszeiten von 450 Jahren und mehr bedroht unser Konsum nicht nur uns und unsere Umwelt, sondern auch zukünftige Generationen. Die Einbindung der Thematik in den Schulunterricht und in die außerschulische Bildungsarbeit kann zur Lösung des Problems beitragen. Der Bundesverband Meeresmüll stellt hierfür ab März 2020 eine Materialsammlung auf seiner Internetseite bereit.

Es ist ein Spitzenplatz, auf den Deutschland alles andere als stolz sein kann. Mit 38 Kilogramm pro Kopf gehört die Bundesrepublik zu den größten Plastikmüll-Verursachern in Europa und liegt deutlich über dem Durchschnitt. Mit dramatischen Folgen für unsere Umwelt – und uns Menschen. Besonders im Meer ist Kunststoff eine tödliche Gefahr für viele Lebewesen, die die Partikel als Nahrung aufnehmen. Mikroplastik dringt in unsere Nahrungsketten ein und wurde sogar im Blut von Menschen nachgewiesen. Zudem heizen Produktion und Konsum von Plastik die Klimakrise an. Es ist also dringend Zeit, aufzuklären und gegenzusteuern. Und der Bildungsarbeit kommt dabei eine besondere Bedeutung bei. Der Bundesverband Meeresmüll (BVMM) will Lehrerinnen und Lehrern sowie Tätigen der außerschulischenBildungsarbeit dabei helfen und bündelt daher die im deutschsprachigen Raum verfügbaren Lehr- und Bildungsmaterialien rund um das Thema Plastik und Meeresmüll auf seiner Webseite .

Die Bildungsmaterialien stehen per Link über die Online-Plattform des Bundesverbandes Meeresmüll zur Verfügung. Sie sind gesichtet und nach Altersgruppen, Themenschwerpunkten und Fachbezug kategorisiert.

Die Material-Sammlung steht ab März 2020 allen Bildungsakteurinnen und -akteuren über die Seite des Bundesverbands Meeresmüll frei zur Verfügung: www.bundesverbandmeeresmuell.de/bildungsmaterialien. Zudem ist die Online-Materialsammlung über den Hamburger Bildungsserver und andere Bildungs-Portale erreichbar.

Plastikflut stoppen

+++ English version find here: Ways out of the Plastic Crisis: Demands from German Civil Society +++

Plastik überschwemmt mittlerweile unsere Umwelt – und ist heute eines der sichtbarsten und größten ökologischen Probleme. Es ist eine tödliche Gefahr für viele Lebewesen, die die Partikel als Nahrung aufnehmen. Die Plastikflut birgt auch Risiken für die menschliche Gesundheit – Mikroplastik wurde sogar im Blut von Menschen nachgewiesen. Zudem heizen Produktion und Konsum von Plastik die Klimakrise an.

Deshalb haben wir uns mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen zusammengeschlossen und gemeinsam 15 Forderungen an die Bundesregierung formuliert.

Deutschland ist bei der Verwendung von Kunststoffen europaweit trauriger Spitzenreiter. Deshalb kommt uns eine ganz besondere Verantwortung zu, global zur Lösung des Problems beizutragen. Es ist höchste Zeit, jetzt gemeinsam und entschlossen zu handeln!

Mehr zu den Forderungen hier:www.exit-plastik.de

Die gemeinsame Pressemitteilung vom 05.02.2020 zu den Forderungen findet sich hier: Pressemitteilung_Wege aus der Plastikkrise_05.02.2020

Pressemitteilung: Wege aus der Plastikkrise


Gemeinsame Pressemitteilung vom 05.02.2020

(PDF)

Wege aus der Plastikkrise: 15 Forderungen der deutschen Zivilgesellschaft an die Bundesregierung

Berlin, 05.02.2020 – Erstmalig hat heute ein weitreichendes Bündnis zentraler zivilgesellschaftlicher Akteur*innen in 15 gemeinsamen Forderungen ein entschiedenes Vorgehen von der Bundesregierung zur Lösung der Plastikkrise verlangt. Über strikte Regulierung und Verbote müssten Kunststoffproduktion und -verbrauch drastisch reduziert werden. Einweg- und Verpackungsprodukte sollten entlang der gesamten Lieferketten in einem verbindlichen Zeitrahmen durch Mehrwegsysteme ersetzt und Mikroplastikanwendungen verboten werden. Grundsätzlich müsse der Einsatz primärer Rohstoffe, ob fossil oder nachwachsend, rigoros reduziert werden. Dazu gehöre der entschiedene Einstieg in eine auf Vermeidung ausgerichtete Kreislaufwirtschaft über klare und verbindliche gesetzliche Vorgaben zu Langlebigkeit, Wiederverwendung, Reparaturfähigkeit und die Recyclingfähigkeit für alle Produktkategorien. Nur so ließen sich die ökologischen, gesundheitlichen und Klima-Belastungen durch die Plastikflut an Land, im Meer und in der Luft in notwendigem Umfang verringern.

Insbesondere müsse mit strikten Verboten für Abfallentsorgung auf See und von schädlichem Fischereizubehör der Kunststoffeintrag in die Meere begrenzt werden. Ebenso konsequent müssten Schadstoffe, die für Mensch, Klima und Umwelt gefährlich sein können, als Zusatzstoffe bei der Herstellung von Kunststoff-Grundstoffen und -Produkten verboten werden.

Das Bündnis fordert eine gesetzliche Schadenshaftung nach dem Verursacherprinzip, die Hersteller und Inverkehrbringer für alle Gesundheits-, Umwelt- und Klimaschäden ihrer Produkte verantwortlich macht. Dabei seien mehr Aufklärung, Transparenz und Informationsvermittlung über die Gefahren von Kunststoffen und ihren Inhaltsstoffen für Mensch, Umwelt und Klima erforderlich. Das Bündnis fordert die Bundesregierung außerdem dazu auf, sich umgehend für ein internationales, verbindliches Abkommen zur Lösung der Kunststoff-Krise einzusetzen, das international Klima- und Meeresschutz voranbringe und Biodiversität schütze.

Martin Kaiser, Geschäftsführer Greenpeace: „Die Auswirkungen der globalen Plastikkrise führen dazu, dass Osteuropa und Südostasien mittlerweile die Müllkippe für Plastikabfälle aus Deutschland und der ganzen Welt sind. Eine Lösung der Plastikkrise kann nur gelingen, wenn alle Länder ihren Müll zuhause behalten. Die Bundesregierung muss den Plastikmüllexport mit Regulierungen und Kontrollen stoppen und Anreize schaffen für ein nachhaltiges Produktdesign, das diesen Namen verdient. Steuerliche Vorteile für Produkte, die repariert und mehrfach genutzt werden können, sollten integraler Bestandteil eines Plastikkrisen-Aktionsplans sein. Die Verpackungsindustrie steht daher vor einem radikalen Wechsel. Die Zukunft der Verpackungsindustrie gehört dem Mehrweg. Wollen wir die Plastikkrise an der Wurzel packen, müssen Verpackungen idealerweise wiederverwendbar, zumindest aber vollständig recyclebar sein. Andere gehören verboten.“

Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): „Die Zeiten des gedankenlosen Kunststoffeinsatzes haben uns an den Rand einer weltweiten Plastikkrise geführt. Wir müssen das Ruder herumreißen und unseren Umgang mit Plastik schnellstens ändern. Die Politik muss eine strenge Rahmensetzung definieren, damit Industrie, Handel und Verbraucher gemeinsam zu verlässlichen Abfallvermeidern werden können. Kunststoffe und insbesondere Mikroplastik dürfen zukünftig an keiner Stelle in die Umwelt eingetragen werden. Hierfür müssen Stoffströme drastisch reduziert und ein Exportverbot für Kunststoffabfälle umgesetzt werden. Bereits in wenigen Jahren muss sichergestellt sein, dass durch Verwitterung oder Zersetzung kein weiteres Mikroplastik in Gewässer und Ozeane eingetragen wird.“

Frank Schweikert, Vorstand des Bundesverbandes Meeresmüll e.V.: „Wir leben in einer Zeit des übermäßigen Konsums zulasten all unserer Lebensgrundlagen. Bereits jetzt finden wir bis in die entlegensten Winkel unserer Ozeane überall Plastikmüll. Produkte und Verpackungen dürfen nicht auf Kosten von Mensch, Klima und Umwelt hergestellt werden. Die Politik muss sicherstellen, dass Hersteller und Inverkehrbringer die 100-prozentige Verantwortung für ihre Produkte tragen und kompromisslos alle Schäden an Mensch und Natur kompensieren.“

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung: „Bis 2017 wurden weltweit schon 9,2 Milliarden Tonnen produziert. Die Hersteller wollen in den nächsten Jahren ihre Produktion noch um 30 Prozent erhöhen. Diese Steigerungsraten sind nicht mehr kontrollierbar. Deshalb muss der Kunststoffverbrauch in allen Bereichen rigoros eingedämmt werden – Produktion, Konsum und Emission aller synthetischen Kunststoffe müssen durch klare gesetzliche Vorgaben absolut reduziert werden. Zudem sind die Unterschiede regional frappierend: In den USA fallen zum Beispiel im Jahr fünf Mal mehr Müll pro Kopf an als in Indien, in Europa ist Deutschland Spitzenreiter. Deshalb muss sich gerade die Bundesregierung nachdrücklich für ein weltweites und verbindliches Abkommen gegen die Kunststoff-Flut einsetzen, das vor allem die herstellenden Länder und Konzerne als Hauptverursacher in die Pflicht nimmt.“

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe: „Deutschland ist Europameister beim Verpackungsmüll, die Abfallberge erreichen von Jahr zu Jahr neue Rekordwerte. Die Flut unnötiger Einweg-Produkte und Verpackungen muss gestoppt werden, und damit auch der rasant wachsende Verbrauch wertvoller Ressourcen. Die Mehrwegquote von 70 Prozent für Getränkeverpackungen muss konsequent durchgesetzt werden – notfalls mit Sanktionsmaßnahmen, wie einer Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einweg. Über Getränkeverpackungen hinaus müssen verbindliche Mehrwegquoten auch für Verkaufs-, Transport- und Versandverpackungen festgelegt werden. Ebenso muss eine Besteuerung von Erdöl sowie Erdgas zur Herstellung von Kunststoffen eingeführt werden. Die bisherige wirtschaftsnahe Abfallpolitik von Umweltministerin Schulze ist krachend gescheitert. Sie muss von der Bremserin zur Gestalterin werden und endlich verbindliche Regeln erlassen, anstatt auf freiwillige Selbstverpflichtungen zu setzen.“

Annemarie Mohr, Geschäftsführerin von Women Engage for a Common Future (WECF): „Der Einsatz von gesundheitlich bedenklichen Chemikalien muss in Plastikprodukten ebenso wie in allen Alltagsprodukten verboten werden; das gilt auch für Recyclingprodukte, die in der Kreislaufwirtschaft eine zunehmende Rolle spielen. Dazu zählen häufig verwendete Weichmacher wie auch perflourierte Stoffe als Bestandteile, die hormonell wirksam sind, so genannte Endocrine Disrupting Chemicals (EDCs). Sie können schon in kleinsten Mengen das Hormonsystem stören und Fehlentwicklungen beeinflussen. Kinder und Schwangere sind besonders gefährdet, sichere Grenzwerte gibt es nicht. Von der Politik verlangen wir ein Verbot der Anwendung schädlicher Stoffe – in Deutschland, auf EU Ebene und international, entlang der gesamten Produktzyklen von Plastikprodukten. Der Schutz der Gesundheit muss über wirtschaftlichen Interessen stehen. Das gebietet das Vorsorgeprinzip.“

Alexandra Caterbow, Kodirektorin von Health and Environment Justice Support (HEJSupport):„Plastik enthält sehr viele Gifte, die unsere Gesundheit und Umwelt schädigen können. Eine neue Studie zeigt, dass in verschiedenen Plastikprodukten insgesamt mehr als 1400 Chemikalien gefunden wurden, und drei von vier getesteten Alltagsprodukten deswegen bedenklich für die Gesundheit waren. Der Einsatz von Schadstoffen in Plastik muss konsequent verboten werden. Von Produzenten und Handel erwarten wir ein hohes Maß an Produktverantwortung, inklusive einer vollständigen Deklaration der Inhaltsstoffe, nachhaltiges Produktdesign – im Sinne eines voll umgesetzten Vorsorgeprinzips.“

Mitgliedsorganisationen und Unterzeichner der 15 Forderungen sind: Bundesverband Meeresmüll e.V.  – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) – Deutsche Meeresstiftung – Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) – Food and & Water Europe – Greenpeace e.V. – Heinrich-Böll-Stiftung -– Health and Environment Justice Support e.V. (HEJSupport) – Stiftung Grünes Bauhaus – Surfrider Foundation Germany e.V. – Women Engage for a Common Future e.V. (WECF).

Das Bündnis wurde moderiert vom Bundesverband Meeresmüll e.V. und der Heinrich-Böll-Stiftung.

Die Website mit den Forderungen und weiteren Informationen finden Sie hier: www.exit-plastik.de

Pressemitteilung als PDF: PM_Wege aus der Plastikkrise

Top Verursacher von Plastikmüll im Meer 2019 – Ergebnisbericht des Global Brand Audits

Beim diesjährigen weltweiten Brand Audit, zu dem die globale Break Free From Plastic Bewegung aufrief, wurden Coca-Cola, Nestlé, und PepsiCo zum zweiten Jahr in Folge als Hauptverursacher von Plastikmüll im Meer identifiziert. Anlässlich des Internationalen Coastal Cleanup Days im September sammelten und erhoben Menschen überall auf der Welt Meeresmüll an Stränden und sortierten das gefundene Plastik nach Marken. Insgesamt führten 72.541 Freiwillige in 51 Ländern 484 Brand Audits durch. Dabei wurden 476.423 Plastikteile gefunden – 43% dieser Teile ließen sich klar einer Marke zuordnen.

Den ausführlichen Ergebnisbericht 2019 gibt es hier: Brand Audit Report 2019 (engl.)