Bei Einkaufstüten und Verpackungen ist es offensichtlich, bei Kleidung und Kosmetika vermuten es die wenigsten. Längst sind Kunststoffe in jedem Bereich unseres Alltagslebens angekommen: Wir leben regelrecht im Plastikzeitalter. Die Plastikproduktion ist seit 1950 weltweit von 1,7 auf 265 Millionen Tonnen angestiegen. Während die synthetischen Stoffe noch vor 60 Jahren viele Aspekte des Lebens erleichterten, stellen sie heute eine drastische Umweltbedrohung dar.  

(c) CFalk/Pixelio

Nicht nur Natur und Tiere leiden enorm unter der zunehmenden Plastikverschmutzung: die Bedrohung kommt wie ein Bumerang auf uns zurück, denn über die Nahrungskette und den Wasserkreislauf landen Plastikteilchen und enthaltene Schadstoffe auch bei uns auf dem Tisch.

Kunststoffe können nicht abgebaut werden wie natürliche Rohstoffe. Plastik ist sehr langlebig, der Verfall kann bis zu 450 Jahre dauern. „Jedes kleine Stück Kunststoff, das in den letzten 50 Jahren hergestellt wurde und ins Meer gelangte, ist dort immer noch irgendwo“, sagte Tony Andrady, Chemiker des amerikanischen Research Triangle Institute, daher zurecht. Mit dem Verfall werden die enthaltenen Schadstoffe in die Umwelt freigesetzt. Die meisten Plastikteile sind leicht, treiben auf der Meeresoberfläche und werden von Wind und Strömungen umher getragen. Schwere Plastikteile sammeln sich auf dem Meeresgrund an. So sollen sich in der Nordsee beispielsweise bereits 600.000 Kubikmeter Plastikmüll befinden.

Die Plastiktüte – Deutschland gehört zu den Spitzenreitern im Verbrauch

Die Problematik des Plastikmülls lässt sich am besten anhand des Beispiels der Plastiktüte verdeutlichen. Jährlich werden 600 Milliarden Plastikbeutel produziert und weggeworfen. Beim Einkaufen, in Modegeschäften, Drogerien oder Apotheken bekommt man meistens ungefragt eine Plastiktüte. Die kostenfreie Abgabe fördert somit den übermäßigen Konsum an Plastiktüten und verhindert einen bewussten Umgang mit den Ressourcen. Laut Umweltbundesamt verbraucht jeder Einwohner Deutschlands 65 Tüten pro Jahr, das sind 5,3 Milliarden pro Jahr bzw. 10.000 Tüten pro Minute.

Angespülter Plastikmüll am roten Meer (c) Vberger/Wikipedia
Angespülter Plastikmüll am roten Meer (c) Vberger/Wikipedia

Damit gehört Deutschland neben Spanien, Italien und England zu den absoluten Spitzenreiter im Verbrauch. Maßnahmen gegen diese Verschwendung von Ressourcen und vorhersehbare Umweltverschmutzung werden nur vereinzelt eingeführt. So hat Bangladesch 2002 Plastiktüten komplett verboten. Im Pazifikstaat Palau müssen Touristen, die eine Plastiktüte bei sich führen, 1 Dollar strafe bezahlen, in Sansibar kann die Einfuhr von Plastiktüten auch bis zu 1560 Euro kosten. In Europa hat Irland mit einer Steuer auf Plastikmüll den Verbrauch um 95% reduziert. In weiteren Ländern wie Frankreich und England erarbeitet man derzeit wenigstens konkrete Pläne, wie man Plastiktüten abschaffen könnte.

Nur die Spitze des Eisbergs

Haushalts- und Industrieabfälle sorgen für Meeresverschmutzung  (c) Matthias Preisinger/Pixelio
Haushalts- und Industrieabfälle sorgen für Meeresverschmutzung
(c) Matthias Preisinger/Pixelio

So vertraut uns die Plastiktüte auch sein mag, ist sie dennoch nur ein kleiner Aspekt der Problematik. Die Meeresschutzorganisation Oceana schätzt, dass weltweit jede Stunde 675 Tonnen Müll direkt ins Meer gelangen, rund die Hälfte davon besteht aus Plastik. Hauptverantwortlich für die Verschmutzung der Meere sind Tourismus, Haus- und Industrieabfälle, die über Flüsse in die Meere gelangen, sowie die internationale Schifffahrt. Laut einer Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) treiben bis zu 18.000 Plastikteile in jedem Quadratkilometer der Ozeane.

Prinzipiell gilt es daher, jeden Plastikmüll so weit es geht zu vermeiden. Zwar steigt der Prozentsatz an recycelten Kunststoffen stetig, doch absolut handelt es sich dabei immer noch um nur sehr geringe Mengen. So wird in Deutschland nicht einmal jede zehnte Plastiktüte recycelt. Auch von den weltweit 14 Millionen Tonne Styropor wird lediglich 1% recycelt. Die Masse des produzierten Plastikmülls steigt hingegen kontinuierlich.

Tiere verhungern mit vollem Magen

Ein an Plastimüll gestorbener Albatross  (c) Chris Jordran/U.S. Fish and Wildlife Service Headquarters/Wikipedia
Ein an Plastimüll gestorbener Albatross
(c) Chris Jordran/U.S. Fish and Wildlife Service Headquarters/Wikipedia

Makroplastikmüll im Meer stellt eine ernste Bedrohung für die mTiaritimen Lebenswesen dar. Schildkröten halten umhertreibende Plastiktüten für Quallen, die Leibspeise der seltenen Tiere, und fressen sie – meist mit tödlichen Folgen. Auch Seevögel nehmen Plastikteile mit ihrer Nahrung auf und verfüttern sie an ihre Jungtiere, die dann mit vollem Magen verhungern. So wurde in einer fünf Jahre dauernden Studie über Eissturmvögel in der Nordsee bei rund 95 Prozent der Tiere Plastik im Magen gefunden. Laut der Umweltorganisation Greenpeace sterben jährlich über eine Million Seevögel an Plastikmüll. Hinzukommen rund 100.000 Meeressäuger, wie Robben und Wale, die qualvoll durch Plastik sterben.

„Mariner Müll ist symptomatisch für ein breiteres Problem“, erläuterte UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner in einer Mitteilung. „Nämlich für den verschwenderischen Gebrauch und das anhaltend schlechte Management natürlicher Ressourcen.“ Besonders durch Müllvermeidung, Abfallmanagement und Recycling könne die Menge an produziertem Plastik drastisch reduziert werden. „Bei manchem Abfall wie Frischhaltefolien und Einweg-Plastiktüten, die das maritime Leben ersticken, sollte die Herstellung verboten werden oder zügig auslaufen. Es gibt einfach keinerlei Rechtfertigung mehr, sie irgendwo noch produzieren.“

Die Insel aus Plastik

Plastik nimmt Schadstoffe auf (c) CFalk/Pixelio
Durch Plastik gelangen Schadstoffe in unser Essen (c) CFalk/Pixelio

Das enorme Ausmaß der Plastikmüll kann man im wahrsten Sinne des Wortes nirgendwo so deutlich sehen, wie im Pazifik südöstlich von Hawaii. In dem Nordpazifikwirbel, einer im Uhrziegersinn drehenden Meeresströmungen, haben sich Unmengen am Plastikmüll angesammelt, sodass er heute den Beinamen „Great Pacific Garage Patch“ trägt, zu deutsch der Große Pazifikmüllfleck. Schätzungen zufolge rotieren in dessen Zentrum bereits 3 Millionen Tonnen Plastikmüll. Weitesgehend ungeachtet von der medialen Öffentlichkeit wächst die „Plastikinsel“ seit über 60 Jahren und hat inzwischen vergleichsweise die Größe ganz Westeuropas erreicht.

Experten vermuten, dass diese Plastikteile Schadstoffe aus der Umwelt aufnehmen, wie das als Insektizid verwendete DDT oder krebsauslösende PCB. Japanische Wissenschaftler haben auf den Plastikteilen Schadstoffe gemessen, die bis zu eine Millionen Mal höher sind als in dem umgebenen Wasser. Über die Nahrungskette reichern sich die Schadstoffe auch in Fischen an, die schließlich auf unseren Tellern Ländern.

Plastik als Klimaschädling

Nicht zuletzt trägt die Plastikproduktion auch erheblich zum Klimawandel bei. Derzeit bestehen die meisten Plastiktüten aus fossilem Rohöl. Das heißt, bei der Produktion von Plastiktüten werden jährlich zugleich rund 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid, eines der Treibhausgase, emittiert. Durch das achtlose Wegwerfen von Plastiktüten, in Deutschland etwa neun von zehn Plastiktüten, gehen viele Rohstoffe verloren. In Europa entspricht die Energie der auf Deponien entsorgten Tüten der Stromproduktion von 1,6 Atomkraftwerken.

Durch Mechanismen wie Abreibung und Sonneneinstrahlung wird der Plastikmüll weiter zerkleinert, sodass Mikroplastik entsteht, das selbst von kleinen Lebewesen am Fuße der Nahrungskette aufgenommen wird. Ebenso wie Makroplastik kann Mikroplastik Schadstoffe aus dem Wasser aufnehmen. Meerestiere nehmen wiederum mit ihrer Nahrung auch Mikroplastik sowie die darin enthalten Schadstoffe auf.

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