Erfolgreiches Clean-up im Niendorfer Hafen und am Niendorfer Strandim Rahmen der MeerErlebnisTage

Vom 14. bis 23. August 2026 fanden die von der Deutschen Meeresstiftung organisierten MeerErlebnisTage statt. Der Bundesverband Meeresmüll e.V. war als Partner an der Veranstaltung beteiligt. Über den gesamten Zeitraum wurden verschiedene Aktionen und Angebote durchgeführt, die den Schutz der Meere und Küsten sowie die Sensibilisierung für Umwelt- und Müllprobleme in den
Mittelpunkt stellten. Ein Bestandteil der MeerErlebnisTage waren die von der Deutschen
Meeresstiftung durchgeführten BeachLabs. Dabei handelte es sich um geführte Strandspaziergänge, bei denen jeweils zwischen 30 und 60 Besucherinnen und Besucher Informationen rund um die Ostsee, ihren
Lebensraum und ihren Schutz erhielten. Während der BeachLabs wurde zudem gemeinsam Müll gesammelt und auf die Problematik von Abfällen in der Küstenumwelt aufmerksam gemacht. Dadurch verbanden die BeachLabs Wissensvermittlung und Naturerlebnis mit aktivem Umweltschutz.

Am 21. August 2026 organisierte der Bundesverband Meeresmüll e.V. im Rahmen der Veranstaltung einen Clean Up. Gemeinsam mit den Partnern Deutsche Meeresstiftung, H2eau Projekt und Baltic Seagras wurde sowohl am Strand als auch im Bereich des Hafens Müll gesammelt. Insgesamt nahmen zehn Personen an der Aktion teil – darunter drei Kinder und sieben Erwachsene. Gemeinsam wurde eine Strecke von rund 900 Metern am Strand und im Bereich des Hafens abgesucht und von Müll befreit.

Besonders auffällig war die große Anzahl an Zigarettenkippen: Insgesamt wurden rd. 2.260 Kippen gefunden. Diese Zahl verdeutlichte eindrucksvoll, wie stark die Küstenbereiche durch achtlos entsorgte Kleinstabfälle belastet sind.

Erfolgreiches Clean-up im Travemünder Hafen im Rahmen derTravemünder Woche

Im Rahmen der Travemünder Woche fand im Travemünder Hafen ein gemeinsames Clean-up von TrashHero Lübeck / SeaNoise, Plastic Fisherman Germany, In Mocean gUG und dem Bundesverband
Meeresmüll / German Marine Litter Association e. V. statt. Insgesamt beteiligten sich 14 Erwachsene und 2 Kinder an der Aktion und setzten gemeinsam ein starkes Zeichen für den Schutz unserer Meere und Küsten. Im Mittelpunkt der Aktion stand die gezielte Sammlung von Zigarettenkippen, die zu den häufigsten und zugleich umweltschädlichsten Abfällen im Hafenbereich zählen. Darüber hinaus wurden zahlreiche weitere Abfälle aus der Umgebung entfernt. Insgesamt konnten 26,8 Kilogramm Müll sowie
13.389 Zigarettenkippen gesammelt werden. Aus Zeitgründen war eine detaillierte Auswertung aller Müllarten vor Ort jedoch nicht mehr möglich.

Allein die enorme Anzahl der gesammelten Zigarettenkippen verdeutlicht, wie stark unsere Umwelt
durch achtlos entsorgte Filter belastet wird. Eine einzige Zigarettenkippe enthält zahlreiche Schadstoffe und kann große Mengen Wasser verunreinigen. Zudem benötigen die Kunststofffilter 10 bis 15 Jahre, bis sie sich zersetzen – dabei entstehen Mikroplastik und weitere Schadstoffe, die Böden und Gewässer dauerhaft belasten.

Mikroplastik: Woher, Worin, Was – Prof. Christian Laforsch

Mikroplastik ist längst kein Randthema mehr – es betrifft Ökosysteme, Tiere und letztlich uns Menschen. In seinem Vortrag erklärt Prof. Christian Laforsch, einer der führenden deutschen Mikroplastik‑Forscher und auch bei unserer letzten Mitgliederversammlung als Referent dabei, wie Mikroplastik entsteht, warum es problematisch ist und welche Wege es gibt, die Belastung zu reduzieren.

Ocean Literacy Lab: Schülerinnen und Schüler engagieren sich für den Schutz von Elbe und Meer

Im Rahmen des Ocean Literacy Lab am 1. Juli 2026 an Bord der Cap San Diego in Hamburg setzten sich zwei Schulklassen aktiv mit dem Thema Meeresmüll auseinander. Bei Clean-up-Aktionen im Bereich der Hamburger Hafenpromenade und im Alten Elbpark sammelten die Schülerinnen und Schüler achtlos entsorgte Abfälle und untersuchten deren mögliche Wege in Flüsse und Meere.

Begleitet von ehrenamtlichen Mitarbeitenden des Illuseum Berlin sowie des Bundesverbandes Meeresmüll e. V. wurde deutlich, dass Clean-ups weit mehr sind als reine Aufräumaktionen: Sie machen Umweltverschmutzung sichtbar, helfen dabei, Müllquellen zu dokumentieren, und zeigen, wie Abfälle über urbane Entwässerungssysteme, Wind und Niederschläge in aquatische Ökosysteme gelangen können.

Die gesammelten Funde – darunter insbesondere zahlreiche Zigarettenkippen, Verpackungen, Flaschen und weitere Kunststoffabfälle – verdeutlichten die enge Verbindung zwischen unserem täglichen Verhalten, der Belastung von Flüssen und dem Schutz der Meere. Ergänzend erhielt eine Schulklasse bei einer Hafenrundfahrt mit der Alternative Hafenrundfahrt Hamburg Einblicke in die vielfältigen Nutzungen des Hafens und die Herausforderungen beim Schutz der Gewässer.

In anschließenden Workshops wurden die Ursachen und Folgen von Müll in Flüssen und Meeren vertieft betrachtet. Die Schülerinnen und Schüler analysierten Eintragspfade, Auswirkungen auf Biodiversität und Nahrungsketten sowie Möglichkeiten zur Müllvermeidung im Alltag.

Das Projekt zeigte eindrucksvoll: Meeresschutz beginnt vor der eigenen Haustür. Durch gemeinsames Engagement, Umweltbildung und bewusste Entscheidungen kann jeder Einzelne dazu beitragen, den Eintrag von Abfällen in unsere Gewässer zu reduzieren.

Hier findet ihr unseren Abschlussbericht:

Antrag & Petition – 770.000 Plastikpfandflaschen, 1.400.000 Glasflaschen und 1.170.000 Süßigkeiten-Verpackungen schwimmen jährlich im Rhein an Köln Richtung Nordsee vorbei. Und kaum einen interessiert es.

Am 8. April hat der Bundesverband Meeresmüll e.V. (BVMM) einen Antrag zum Tätigwerden bei der Bezirksregierung Köln. Bezirksregierung muss geeignete Vorgaben zur Verhinderung des Eintrags und zur Beseitigung von Müll im Rhein setzen und am 16. April hat der Petitionsausschuss des Bundestag unsere Petition angenommen!

Anfang April hat der Bundesverband Meeresmüll e.V. und der Kölner Müllsammelverein K.R.A.K.E. e.V. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommandoeinheit) mit Hilfe eines Umweltrechtsanwaltes einen Antrag auf Tätigwerden bei der Bezirksregierung Köln eingereicht. Die Bezirksregierung Köln ist die zuständige Gewässeraufsichtsbehörde für den Rheinabschnitt in Köln. Diese kann, und in diesem Fall sogar muss, Unterhaltungsmaßnahmen (inkl. ökologische Funktionsfähigkeit) gegenüber dem Träger der Unterhaltungslast (der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung) festlegen. Wir fordern das Aufsetzen eines Überwachungsprogrammes und das Ergreifen von Maßnahmen zur Reduzierung der Vermüllung des Rheins.

Die Petition die der Bundesverband Meeresmüll e.V. und der K.R.A.K.E. e.V. bereits 2024 beim Bundestag eingereicht wurde am 16.4.2026 besprochen und kommt ebenfalls zu dem Ergebnis: die jeweils zuständige Behörde ist befugt, geeignete Maßnahmen anzuordnen, um Beeinträchtigungen des Wasserhaushalts zu vermeiden oder zu beseitigen. Gleichzeitig geben die Politiker auf, indem Sie aktuell keine direkten Handlungsempfehlungen festlegen.

Nicolas Schweigert erklärt: Mehr als 80% des Mülls in den Meeren kommt aus Flüssen (Meijer et al. (2021), Science Advances; The Ocean Cleanup). Auch in Deutschland schwimmt Müll über unsere großen Flüsse (z.B. Rhein, Elbe, Weser, Oder) die große Mengen, fast ungehindert, Richtung Nord- und Ostsee. Die Studie der K.R.A.K.E. zur Rheinkrake hat gezeigt, dass weit mehr Müll im Rhein schwimmt als bisher geschätzt. Täglich schwimmen 53.000 Müllteile im Rhein an Köln vorbei. Die Schutzprogramme für Nord- und Ostsee (OSPAR und HELCOM) zeigen, dass sich auch weit mehr Müll in den Meeren befindet. Die EU hat einen Grenzwert von 20 Müllteilen auf 100 Meter Küste für unsere Meere definiert, alles darüber ist schädlich für Flora, Fauna und Menschen. In der Nordsee ist der Wert bei 252 Teilen auf 100 Metern und damit 12 mal höher als der Grenzwert (OSPAR Status Report 2023). In der Ostsee waren es 142 Teile auf 100 Metern (HELCOM 2023 Beach Litter Report). Leider fehlt so ein Grenzwert und das Vorgehen für die Flüsse. Der Müll schwimmt einfach weiter“. Finanzieren ließe sich das über den Einwegkunststofffonds (EWKFond) und die EU-Verpackungsverordnung, bei denen die Kosten direkt den Hauptverursachern auferlegt werden.

Solange Müll entsteht und in den Flüssen oder Meeren landet, müssen wir ihn einsammeln. Die Lösung beginnt mit der Anerkennung der Verantwortung. Nicolas Schweigert erklärt: „Dieser Antrag ist wahrscheinlich das bürokratischste was ich in meinem Leben gemacht habe. Aber nur mit netten Gesprächen kommen wir nicht voran. Aktuell ist niemand interessiert das Thema Vermüllung der Flüsse anzugehen. Dabei gibt es Lösungen, nur es ist immer bequemer nichts zu machen. Im Zweifel schwimmt der Müll einfach weiter, dann ist er ja nicht mehr bei uns … (O-Ton aus vielen Gesprächen).“ Neben dem Müllsammeln müssen wir effektive Strategien umsetzen, um den Mülleintrag zu reduzieren. Hier sind ein paar Beispiele:

  • Jedes Jahr schwimmen rund 770.000 Einweg‑Plastikpfandflaschen an Kölner im Rhein vorbei. Nach 23 Jahren könnte es an der Zeit sein, das Pfand anzupassen.
  • Etwa 1.400.000 Glasflaschen – vor allem von alkoholischen Getränken – schwimmen in Köln vorbei. Auch hier wäre eine Pfandanpassung sowie eine verbindliche Mehrwegquote für alle Hersteller und Flaschenarten ein möglicher Ansatz, wie verschiedene Umweltorganisationen betonen.
  • Rund 1.170.000 Süßigkeiten‑Verpackungen schwimmen jedes Jahr an Köln vorbei. Hier müsste die Herstellerverantwortung neu geregelt werden: entweder umweltfreundliche Verpackungen oder eine stärkere Kostenbeteiligung an der Reinigung.
  • Außerdem wird gefordert, dass das Einwegkunststofffonds‑Gesetz dort angewendet wird, wo der Müll tatsächlich landet: nicht nur in Innenstädten, sondern auch in Naturschutzgebieten, Flüssen und Meeren. Produkte, die besonders zur Vermüllung beitragen, sollten stärker belastet werden als solche, die dies nicht tun. So würden problematische Produkte verbessert oder langfristig vom Markt verschwinden.

Gerne sind wir bereit alle nötigen Akteure zu unterstützen und uns einzubringen. Seit vielen Jahren versuchen wir als Bundesverband Meeresmüll (und viele weitere Organisationen) auf den Müll in den Flüssen und Meeren hinzuweisen. Bisher leider ohne entscheidenden Erfolg. Daher gehen wir nun den nächsten Schritt und stellen hiermit einen juristisch begleiteten Antrag auf Tätigwerden.

Der Bundesverband Meeresmüll e.V. bündelt die deutschen Interessen zur Vermeidung und Beseitigung von Meeresmüll zentral und ist deutscher Ansprechpartner für alle nationalen und internationalen Partner*innen, die im Fachgebiet Meeresmüll tätig sind. Vereine im Ehrenamt können hier nur wichtige Unterstützungsarbeit leisten, aber nicht die Hauptlast tragen.”

K.R.A.K.E. e.V. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommandoeinheit) ist ein ehrenamtlicher Umweltverein aus Köln, der sich aktiv gegen Müll in der Umwelt einsetzt, insbesondere am Rheinufer. Der Verein, oft als eine der aktivsten Cleanup-Gruppen Deutschlands bezeichnet, organisiert regelmäßige Sammelaktionen, betreibt eine schwimmende Müllfalle („Rheinkrake“) und engagiert sich für Aufklärungsarbeit.

Quellen:

Unser Jahresbericht 2025 ist da!

Unser Jahresbericht 2025, hier zum download.

Wir blicken auf ein Jahr voller Bewegung, Begegnungen und echter Wirkung zurück. 2025 haben wir gemeinsam gezeigt, wie viel Kraft entsteht, wenn Menschen sich zusammenschließen, um unsere Gewässer zu schützen. Von großen Bildungsformaten bis zu lokalen Clean-Ups, von politischer Arbeit bis zu wissenschaftlichen Studien – überall haben wir erlebt, wie Engagement sichtbar wird und Veränderung anstößt.

Wir waren dort, wo Meeresschutz lebendig wird: bei den MeerErlebnis-Tagen in Niendorf, beim International Coastal Cleanup in Eckernförde („…rund 200 Schülerinnen und Schüler sowie einige Freiwillige… rund 60 kg Müll gesammelt.“), in der Ozeandekade-Ausstellung auf der Cap San Diego und in vielen weiteren Projekten. Gleichzeitig haben wir mit der Exit-Plastic-Initiative und der RheinKrake-Studie wichtige Impulse gesetzt – etwa mit der alarmierenden Erkenntnis, dass täglich 53.000 Müllteile am Kölner Rhein vorbeischwimmen („…entspricht einem Gewicht von 5,9 Tonnen täglich…“).

Dieser Jahresbericht zeigt, wie sehr wir als Verband wachsen – in unserer Reichweite, unserer Professionalität und unserer gemeinsamen Stimme für saubere Meere.

BVMM & KRAKE – Pressemitteilung zur RHEINKRAKE und politische Forderungen

Wissenschaftliche Studie zur „RheinKrake“ zeigt die Müllflut im Rhein: 19,4 bis 30,4 Millionen Teile Müll schwimmen jährlich an Köln vorbei. Wir fordern, dass die Bundesregierung als Eigentümer der Flüsse die Verantwortung übernimmt und den Ausstieg aus der Vermüllung der Flüsse, Meere und Natur einleitet.

Freiwillige des Vereins K.R.A.K.E. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommandoeinheit) e.V. und Wissenschafter:innen veröffentlichten Forschungsergebnisse zu Deutschlands einziger schwimmender Müllfalle “RheinKrake” im Rhein bei Köln. Ergebnisse zeigen, dass täglich 53.000 Müllteile im Rhein an Köln vorbeischwimmen. Dies entspricht einem Gewicht von 5,9 Tonnen täglich oder dem Inhalt von 393 durchschnittlichen Hausmülltonnen (15kg pro 240 Liter Mülltonne).  Der K.R.A.K.E. e.V. und der Bundesverband Meeresmüll e.V. fordern sofortiges Handeln der Bundesregierung und den Ausstieg aus der Vermüllung.

Nina Gnann, Katharina Höreth, Nicolas Schweigert, Mariele Evers, Thomas A. Ternes, Leandra Hamann. „The river Rhine transports around 4,000 tons of macrolitter towards the North Sea each year.” Communications Sustainability, 2025, DOI: 10.1038/s44458-025 00007-5. https://www.nature.com/articles/s44458-025-00007-5.

Hintergrund und Projektbeschreibung

Wie viele Tonnen menschengemachter Müll sich in unseren Meeren befinden, ist nicht klar bezifferbar. Schätzungen gehen von mehreren Millionen Tonnen aus. Und täglich kommt mehr Müll hinzu. Flüsse spielen eine relevante Rolle beim Transport des Mülls vom Land Richtung Meer. Dies ist auch ein Problem in Deutschland. Jährlich fließen tausende Tonnen an Müll über Rhein, Elbe, Weser und weitere Bundeswasserstraßen in die Nord- und Ostsee. Die nun veröffentlichte Studie zeigt, dass das Ausmaß der Verschmutzung wesentlich höher ist als bisher angenommen. Dazu nutzte das Projektteam die selbstentworfene “RheinKrake”.

Seit 2022 ist die “RheinKrake” nördlich der Kölner Zoobrücke fest im Rhein installiert. Kai Hirsch, der technische Leiter des Projektes erklärt: “Die RheinKrake ist ein schwimmender Anleger bzw. eine Müllfalle mit einem nach vorne geöffneten Fangkorb. Der Fangkorb ist drei Meter breit und 80 Zentimeter tief. Damit wird ungefähr 1% der Flussbreite des Rheins in Köln abgedeckt. Ziel des Projekts rund um die RheinKrake ist es, schwimmenden Müll einzufangen, Daten über die Verschmutzung zu sammeln und das Bewusstsein für die Vermüllung bei Bürger:innen und Behörden zu stärken.”

Fabian Heinisch, der aktuell alles um die “RheinKrake” organisiert, erläutert:. “Mit der jetzt veröffentlichten Studie bieten wir belastbare Zahlen, sie zeigen ganz deutlich: Die Vermüllung ist noch einmal weit größer als bisher angenommen.” Für die vorliegenden Forschungsergebnisse haben Freiwillige, angeleitet von Wissenschaftler:innen der Universität Bonn und Universität Tübingen, über 16 Monate, alle zwei Wochen die “RheinKrake” entleert und ausgewertet. Dabei wurden mehr als 20.000 Teile entnommen und nach internationalen Standards (z.B. EU MSFD Guidance on Monitoring Marine Litter) ausgewertet. Es handelt sich um die erste wissenschaftliche Studie in Deutschland, in der über solch einen langen Zeitraum Müll entnommen, ausgewertet und der Ursprung analysiert wurde. Die erfasste Müllmenge wurde auf Basis von Flussbreite und Wassermenge hochgerechnet. Im Gegensatz dazu beruhen viele bisherige Studien auf visuellen Zählungen, die wetterabhängig sind und aufgrund der Beschaffenheit des Mülls ungenaue Ergebnisse liefern.

Ergebnisse: Die Vermüllung in Zahlen: 19,4  bis 30,4 Millionen Müllteile fließen jährlich an Köln vorbei

Auf die Gesamtbreite und Tiefe des Rheins linear hochgerechnet, schwimmen laut der Auswertung im Rhein jährlich 19,4 bis 30,4 Makro-Müllteile größer als 2,5 cm am Standort Köln vorbei. Täglich sind  es demnach etwa 53.000 Teile, die  Köln  über die Wasserstraße passieren.

Hochgerechnet auf die gesamte Länge des Rheins, werden  etwa 30 bis 40 Millionen Makro-Müllteile mit einem Gesamtgewicht von 3010 bis 4700 Tonnen jährlich vom Rhein in die Nordsee gespült. Damit ist die Vermüllung um das 40- bis 286-fache höher als  bisherige Studien geschätzt haben.

Mit unseren Daten kann die Vermüllung im Rhein im Detail gezeigt werden. Die folgenden relative Aufteilung ergibt sich aus den mehr als 20.000 gesammelten Teilen:

  • Etwa 70% der Makro-Müllteile sind Kunststoffe, die 15 % des Gewichts ausmachen.
  • 40% sind Einwegprodukte, bei mehr als der Hälfte davon handelt es sich um Kunststoff.
  • 56% des Mülls kommt von privaten Verbrauchern, dabei handelt es sich bei  18% der Gegenstände   um Getränkebehälter.   
  • 5,9% des Mülls ist der Industrie zuzuordnen.
  • Mehr Informationen sind in unserem wissenschaftlichen Bericht zu finden.

Die Vermüllung wird anschaulicher, wenn man konkrete Müllteile innerhalb einer Kategorie betrachtet und linear auf den Rhein hochrechnet (dies wurde in der Studie zusammengefasst).

  • 548.000 Plastikflaschen kleiner als 0,5 Liter schwimmen jährlich an Köln vorbei. Davon sind 382.000 Pfandflaschen, davon 113.000 vom Unternehmen Coca-Cola. Außerdem 138.000 kleine Schnaps-Plastikflaschen ohne Pfand.
  • 222.000 Plastikflaschen größer als 0,5 Liter treiben jährlich an Köln vorbei.
    95% (211.000) sind Pfandflaschen und 42.000 vom Unternehmen Coca-Cola.
  • 1.400.000 Glasflaschen sindim Jahr 2024 laut der Auswertung im Rhein an Köln vorbeigeschwommen.
    • 26% dieser Flaschen sind Pfandflaschen (370.000). Davon sind 308.000 Bierflaschen;
    • 30% der Flaschen sind Wein oder Sektflaschen (429.000).
    • 24% der Glasflaschen sind kleine Schnapsflaschen (339.000).
    • 13% sind große Schnapsflaschen (187.000).
    • 100.000 kleine und große Glas-Schnapsflaschen sind der Marke Jägermeister zuzuordnen.
  • 1.170.000 Süßigkeiten-Verpackungen schwimmen jährlich an Köln vorbei.
  • 428.000 Feuerzeuge schwimmen jährlich an Köln vorbei.
  • 63.000 Schuhe schwimmen jährlich an Köln vorbei.
  • 56.000 Capri Sun (oder ähnliche Produkte) schwimmen jährlich an Köln vorbei.
  • Bezüglich der viel diskutierten Flaschendeckel, die inzwischen an der Flasche befestigt in den Handel kommen, werden die Daten aktuell  noch ausgewertet.
  • Anhand der industriell gefertigte Kunststoffpellets und Plastikpartikel, die wir als Beifang in der RheinKrake fanden, müssen wir von Millionen solcher Teile ausgehen, die ebenfalls über den Rhein in die Nordsee gelangen.

Unsere Forderungen: Der Bund als Eigentümerin muss Verantwortung übernehmen und den Ausstieg für die Vermüllung einleiten.

Wir Menschen sind verantwortlich für den Müll, ob absichtlich oder unabsichtlich verursacht. Solange keine effektiven Maßnahmen umgesetzt sind, die verhindern, dass Müll in die Umwelt gelangt, hat die Gesellschaft die Verantwortung, den verursachten Müll einzusammeln. Seit vielen Jahren versuchen wir als Vereine K.R.A.K.E. und Bundesverband Meeresmüll auf den Müll in den Flüssen hinzuweisen. Bisher leider ohne entscheidenden Erfolg. Die Verantwortung wird von Behörde zu Behörde weitergeschoben. Die neuen Daten der “RheinKrake” zeigen den Handlungsbedarf mehr als eindeutig.

Die Bezirksregierung Köln kann als zuständige Behörde die Unterhaltungslast für den Eigentümer festlegen. Die Bundeswasserstraße Rhein gehört dem  des Bundesverkehrsministeriums und ist damit der Eigentümer. Bisher besteht die Strategie des Bundes hauptsächlich darin, den Müll Richtung Meer fließen zu lassen. Nicolas Schweigert, der Initiator der RheinKrake, stellt eine klare Forderung: “die Bezirksregierung Köln muss dem Bundesverkehrsministerium als Eigentümer der Bundeswasserstraße klare Vorgaben setzen und der Bund muss endlich Verantwortung für die Sauberkeit des Rheins zu übernehmen. Der Ausstieg aus der Vermüllung der Flüsse, Meere und der Natur muss eingeleitet werden. Hierfür benötigen wir Grenzwerte (z.B. wie bei Nord- und Ostsee [OSPAR & HELCOM]), ein Monitoring und effektive Maßnahmen zur Vermeidung sowie zum Einsammeln benötigt. Finanzieren ließe sich das über den Einwegkunststofffonds (EWKFond) und die EU-Verpackungsverordnung, bei denen die Kosten direkt den Hauptverursachern auferlegt werden. So tragen die Produkte die Kosten der Sammlung oder verschwinden vom Markt.”

Gemeinsam mit dem Bundesverband Meeresmüll e.V. hat die K.R.A.K.E. eine Petition im Bundestag eingereicht, um auf die fehlende Verantwortung hinzuweisen. Bisher leider ohne Erfolg. Daher gehen wir nun den nächsten Schritt und stellen einen juristisch begleiteten Antrag auf Tätigwerden. Während der UN-Plastikkonferenz wollte Deutschland eindrucksvoll vorangehen. Bei den eigenen Bundeswasserstraßen wird die Verantwortung jedoch nicht wahrgenommen.

Aktiv: “ Anpacken statt rumjammern”

Der 1. Vorsitzende des K.R.A.K.E. e.V., Christian Stock, bleibt trotz allem positiv:Wir als größte und attraktivste Müllsammel-Initiative Deutschlands kämpfen täglich gegen die Vermüllung unserer Umwelt, vor allem durch regelmäßige Cleanups, Bildungsarbeit und Informationsveranstaltungen. Unsere Philosophie ist es, als Vorbild freundlich auf Menschen zuzugehen. Wir setzen auf die Zivilgesellschaft, die man niedrigschwellig und mit Humor gut erreichen kann. Wir möchten die relevanten Akteure (Politik, Industrie und Gesellschaft)  sensibilisieren und gemeinsam Fortschritte erzielen. Wir erwarten nicht, dass alle Zero-Waste leben. Gleichzeitig haben wir ein Problem, welches wir mit unseren Daten eindeutig belegen. Wir erwarten aber, dass sich jeder Mensch und Akteur sein eigenes Handeln bewusst macht und reflektiert. Müll nicht einfach in die Natur zu werfen ist der erste Schritt. Ihn aufzusammeln, der zweite. Unsere Kernbotschaft lautet übrigens seit Jahren „Anpacken statt rumjammern“.

Die K.R.A.K.E. ist Mitglied beim Bundesverband Meeresmüll e.V.. Der Bundesverband bündelt die deutschen Interessen zur Vermeidung und Beseitigung von Meeresmüll zentral und ist deutscher Ansprechpartner für alle nationalen und internationalen Partner*innen, die im Fachgebiet Meeresmüll tätig sind. Vereine im Ehrenamt können hier nur wichtige Unterstützungsarbeit leisten, aber nicht die Hauptlast tragen.”

Kontakt:

K.R.A.K.E. e.V. Bertha-Benz-Karree 63 51107 Köln

1. Vorsitzender & geschäftsführender Vorstand K.R.A.K.E.: Christian Stock krake@krake.koeln

Projektinitiator K.R.A.K.E. & Vertreter des Bundesverbandes Meeresmüll:
Nicolas Schweigert
Tel.: +49 175 30 34 684 Nicolas.schweigert@outlook.
com & Office@bundesverband-meeresmuell.de

Projektleiter: Fabian Heinrich rheinkrake@krake.koeln

Technischer Leiter: Kai Hirsch Kai_hirsch@gmx.net

Bundesverband Meeresmüll e.V. Grimm 12 20457 Hamburg Office@bundesverband-meeresmuell.de

Wissenschaftliches Team:

  • Dr. Leandra Hamann (Universität Bonn): hamannleandra@gmail.com
  • Katharina Höreth (Universität Bonn): khoereth@uni-bonn.de
  • Nina Gnann (Universität Tübingen): nina.gnann@ggi.uni-tuebingen.de

Danke

An der Studie waren die Universität Bonn, Universität Tübingen und der K.R.A.K.E. (Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit) e.V. beteiligt. K.R.A.K.E. e.V. stellte Ressourcen zur Verfügung. Unser Dank gilt neben den zahlreichen Freiwilligen auch den Sponsor:innen und Unterstützer:innen, die nicht nur finanziell einen Beitrag geleistet haben, sondern auch Material zur Verfügung stellten. Insbesondere danken wir der Rheinau Marina, die ein Boot zu Verfügung stellen.

Publikation

Nina Gnann, Katharina Höreth, Nicolas Schweigert, Mariele Evers, Thomas A. Ternes, Leandra Hamann. “The river Rhine transports around 4,000 tonnes of macrolitter towards the North Sea each year”. Communications Sustainability, 2025, DOI: bitte ergänzen, sobald bekannt.

Am 10. Januar 2026 ab 10 Uhr an der Rheinkrake (Unter der Zoobrücke – Niederländer Ufer, Köln – linke Rheinseite) geben wir Interviews und können Bilder/Videoaufnahmen gemacht werden. Ab 11 Uhr sind wir an der Auswertungsstation (Parkplatz unter der Zoobrücke – Sachsenbergstraße, 50679 Köln, Deutschland – rechte Rheinseite). Wir bitte um kurze Anmeldung. Gerne machen wir Interviews auf Anfrage.

International Coastal Cleanup Day (ICCD) in Eckernförde: Gemeinsam für saubere Strände und Meere

Hamburg/Eckernförde, 08.09.2025 – Zum neunten Mal in Folge fand am September 2025 der International Coastal Cleanup Day (ICCD) in Eckernförde statt. Von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr räumten insgesamt gut 200 Schülerinnen und Schüler sowie weitere Freiwillige den Strand auf. Dabei wurden insgesamt auf 2,1 km Strecke rund 60 kg Müll gesammelt. Dabei waren Zigarettenstummel am häufigsten zu finden gefolgt von Plastikgegenständen. Organisiert wurde das Event vom Bundesverband Meeresmüll e.V. in enger Zusammenarbeit mit der Eckernförde Touristik & Marketing GmbH dem Aufruf der Ocean Conservancy folgend. An ihre zentrale Datenbank werden im Anschluss an die Aufräumaktion die gesammelten Daten über den Müll weitergeleitet. Hier findet ihr unseren Bericht: https://bundesverband-meeresmuell.de/wp-content/uploads/2025/09/20250912_ICCD_Report_deutsch_englisch.pdf

Copyright Tanja Miranda

Mithilfe von Greifern, Handschuhen, Eimern und anderen Gerätschaften wurde am gesamten Eckernförder Strand zwischen dem Ostsee Info-Center und der DLRG-Hauptwache Müll gesammelt und unter fachlicher Anleitung in verschiedene Kategorien unterteilt. Mit dem ICCD soll ein wesentlicher Beitrag
zum Umweltschutz und zum Meeresbewusstsein geleistet werden. Insbesondere wird auf die potenziellen
Gefahren durch Plastikverschmutzung auf die Meere und uns Menschen eingegangen. Unterstützt wurde das Cleanup Event dieses Jahr außerdem von zahlreichen Akteuren wie Stand-Up Paddlern, die auf dem Wasser fleißig zugange waren, Tauchern, die die schweren Müllteile bargen sowie einem Metalldetektor, der auch unter dem Sand verborgenen metallischen Müll bergen konnte (Münzen, Modeschmuck usw.).

2025: Bildung und Engagement Hand in Hand
Auch in diesem Jahr werden die Strandabschnitte zwischen dem Ostsee Info-Center und der DLRG-Hauptwache in drei Sammel- und Sortierstationen aufgeteilt. Schülerinnen und Schüler werden mit Greifern, Handschuhen und Eimern ausgestattet, um Abfälle zu sammeln und diese anschließend in Kategorien auszuwerten. Unterstützt wird die Aktion durch ein begleitendes Bildungsprogramm, das die Gefahren von Plastikverschmutzung thematisiert und Handlungsmöglichkeiten aufzeigt. Teilnehmende können außerdem die Clean Swell App nutzen, um ihre Funde digital zu erfassen.

Rückblick 2024: 162 Kilogramm Müll in drei Stunden
Im vergangenen Jahr beteiligten sich rund 300 Schülerinnen und Schüler aus Eckernförde und Umgebung. Auf einer Strecke von 2,1 Kilometern und einer Fläche von knapp 59.000 m² wurden 162 Kilogramm Müll gesammelt. Mit Abstand am häufigsten fanden sich 2.359 Zigarettenstummel, daneben hunderte Verpackungen, Papiertüten, Flaschendeckel, Strohhalme, Hygienemüll und sogar ungewöhnliche Fundstücke wie ein Campingstuhl und eine Kokosnuss.
Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Aktion: Müll an der Küste ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern eine ernste Gefahr für Meerestiere und für die menschliche Gesundheit. Mikroplastik wurde bereits im Blut von Menschen
nachgewiesen.

Mit dabei waren 2025:

  • Taucherinnen und Taucher, die mit professioneller Ausrüstung das Hafenbecken von Müll befreien.
  • Die Fördekeks, ein Eckernförder SUP-Verleih, die auf dem Wasser Verpackungen und Kleinteile bergen.
  • Die Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde, die Ausrüstung, Container und ein
    Bildungsangebot zur Kreislaufwirtschaft bereitstellt.
  • Das Ostsee Info-Center, das mit Freiwilligen und FÖJlern Umweltbildung und
    Sortierhilfe leistet.
  • Zahlreiche Schulen aus Eckernförde und Umgebung, die mit hunderten Kindern und Jugendlichen tatkräftig anpacken.

Internationale Dimension
Der International Coastal Cleanup Day wird seit über 35 Jahren von Ocean Conservancy organisiert. Er ist die weltweit größte freiwillige Aktion gegen Meeresmüll. Die in Eckernförde erhobenen Daten fließen in diese internationale Datenbank ein, die entscheidend zu politischen Maßnahmen beigetragen hat – darunter das Verbot von Plastiktüten, Einweg-Schaumstoffbehältern oder das Abbrennen von Ballons bei Massenveranstaltungen.

Hier findet ihr unseren Bericht: https://bundesverband-meeresmuell.de/wp-content/uploads/2025/09/20250912_ICCD_Report_deutsch_englisch.pdf

Pressekontakt
Eckernförde Touristik und Marketing GmbH
Stephan Vollbehr – Veranstaltungsleitung
E-Mail: s.vollbehr@ostseebad-eckernfoerde.de
Bundesverband Meeresmüll e.V.
Thomas Wienemann – 2. Vorsitzender
Email: thomas.wienemann@bundesverband-meeresmüll.de

Beteiligte Akteure
Bundesverband Meeresmüll e.V.
Setzt sich für den Schutz der Meere vor anthropogener Verschmutzung ein, bündelt
Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft und organisiert den ICCD als
eines seiner wichtigsten Projekte.
Ocean Conservancy
Die US-amerikanische NGO mit Sitz in Washington D.C. ruft seit über 35 Jahren zum
International Coastal Cleanup auf und sammelt weltweit Daten zu Meeresmüll, die
direkt in politische Prozesse einfließen.
Eckernförde Touristik & Marketing GmbH
Organisiert gemeinsam mit dem BVMM die Veranstaltung, lädt Schulen ein, stellt
Equipment und unterstützt bei der Auswertung des gesammelten Mülls.
Ostsee Info-Center
Bietet Umweltbildungsprogramme am Strand und in der Ausstellung, unterstützt mit FÖJ-Freiwilligen bei Sortierung und Wissensvermittlung.
Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR)
Stellt Ausrüstung und Container bereit und informiert am eigenen Stand über Recycling, Abfallvermeidung und erneuerbare Energien.
Fördekeks – SUP-Schule Eckernförde
Sammelt Müll auf der Ostsee per Stand-Up-Paddle und sensibilisiert
Wassersportbegeisterte für Meeresschutz.
Deutsche Meeresstiftung
Bringt ihre Netzwerke aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ein und stärkt mit
Bildungs- und Kommunikationsformaten das Bewusstsein für Meeres- und Klimaschutz.
Teilnehmende Schulen
Darunter das Berufsbildungszentrum Rendsburg-Eckernförde, die Schule am Noor usw..

Globales Plastikabkommen – Pressemitteilung

BOOM! Das globale Plastikabkommen ist krachend gescheitert.

Gewonnen hat die Öl- und Gaslobby zum Nachteil der gesamten Weltgemeinschaft und zum Nachteil unseres einzigen Planeten.

Für uns, die wir seit Jahren gegen die Vermüllung kämpfen, ist das Ergebnis der sechsten Verhandlungsrunde ein Schlag ins Gesicht. Wir waren dabei: kritisch, engagiert, hoffnungsvoll. Doch das Scheitern ist leider analog zu vielen anderen politischen Entscheidungen, die künftige Generationen mit immensen Aufwand wieder reparieren müssen, wenn es überhaupt je möglich ist?

Heißt das, Öl- und Gasstaaten dürfen jetzt ungestört weiter Milliarden verdienen – auf Kosten unserer Zukunft? Und in Deutschland wird die von der EU geforderte Plastiksteuer weiterhin auf die Allgemeinheit abgewälzt. Statt auf die verursachenden Unternehmen und eine Steuer auf das Rohöl aus dem Plastik gewonnen wird, scheint in weiter Ferne.

NEIN. Ob sie gewinnen, liegt allein an uns. Jeder Staat kann handeln. Jede Regierung kann die notwendigen Regeln setzen. Unternehmen wie beispielsweise die Marke „Frosch“ in Deutschland können Verantwortung übernehmen und wir alle können und müssen unser Verhalten ändern.

Deutschland und 69 weitere Länder haben sich bereits klar positioniert: weniger Plastikproduktion, Verbot gefährlicher Chemikalien, mehr Recycling. Dafür brauchen wir kein globales Abkommen. Europa kann vorangehen – wenn wir es ernst meinen.

Wir haben längst Quoten, Steuern und Zölle in anderen Bereichen. Warum nicht auch bei Plastik? Verantwortung muss bei den Produzenten und Importeuren liegen. Wer Müll schafft, muss zahlen – und zwar so, dass weniger Plastik entsteht und unsere Umwelt entlastet wird. Was fehlt, ist politischer Wille. Und genau da kommt es auf uns an: Druck machen, Lösungen aufzeigen, Regierungen erinnern.

Aufgeben ist keine Option. Die Öl- und Gaslobby gewinnt nur, wenn wir stillhalten und uns nicht alle zusammenhalten, wie beispielsweise in unserem Bundesverband

Was sind unsere nächsten Schritte?

  • Wir vernetzen uns weiter – digital, lokal, international.
  • Wir gehen in den direkten Dialog mit der Politik. Ein Brief an den Umweltminister ist in Arbeit – machst du mit?
  • Wir treiben die Verantwortung für Plastikmüll in Bundesgewässern voran. Unsere Petition liegt im Bundestag, parallel verhandeln wir mit Umweltjurist*innen.

Wir kämpfen jeden Tag, um die Welt besser zu machen. Jetzt heißt es: größer denken. Klarer handeln und unbedingt dranbleiben.

Denn am Ende entscheidet unser Handeln – nicht die Öl- und Gaslobby.

Runder Tisch Meeresmüll – Kommentar zur EU Pelletsverordnung

Wir nehmen regelmäßig am Runden Tisch Meeresmüll teil. Im Rahmen des letzten Treffens hat ebenfalls eines unserer Mitglieder seine Arbeit vorgestellt. Mehr dazu, sobald die wissenschaftliche Publikation veröffentlich ist.

Gleichzeitig wurden wir angefragt, ob wir an das Umweltbundesamt ein Feedback zur aktuellen EU Pellet-Verordnung und einer damit verbundenen Handreichung von OSPAR geben können. Haben wir selbstverständlich gemacht, wenn auch der Zeitpunkt etwas komsich erscheint. Hier unser kurzer Kommentar:

Unserer Informationen nach, war diese Woche der letzte geplante Trilog zur EU-Pelletverordnung. Der Text wird immer schwächer, wenn jetzt noch eine Runde stattfindet, wird vermutlich alles rausgenommen.

Wir bitten um die Berücksichtigung von folgenden Kommentaren:

  • Wir unterstützen nachdrücklich, dass die Ambitionen hoch gesteckt bleiben müssen. Solange alles auf freiwilliger Basis beruht, wird sich nichts ändern.
  • Für uns fehlen die drei wichtigsten Punkte: a) finanzielle Hersteller- und Transportverpflichtungen, b) die Beseitigung von verlorenen Pellets und c) die Produkte und Nutzung der Pellets.
  • Auf Seite 2 schreiben Sie: „Ziel der ‚OSPAR Recommendation 2021/06‘ ist die zeitnahe Etablierung von Präventionsstandards und unabhängigen Zertifizierungssystemen zur Vermeidung von Pelletverlust entlang der gesamten Wertschöpfungskette, unabhängig von der Größe der Unternehmen.“ Für uns ist es essenziell, dass auch die Herstellerverantwortung sowie die Beseitigung von Pelletverlusten – mindestens jedoch die finanzielle Unterstützung für bisherige und zukünftige Beseitigungsmaßnahmen – berücksichtigt werden. Um den bürokratischen Aufwand gering zu halten, könnte dies an die Produktions- und Transportmengen gekoppelt werden. Auf Seite 3 erwähnen Sie ebenfalls die Beseitigung. Ohne finanzielle Konsequenzen und regelmäßig durchgeführte Audits mit entsprechenden Sanktionen wird sich nichts ändern. Erst wenn Kosten entstehen, wird die Flut von Plastikmüll eingedämmt werden.
  • In der Regelung und auch in Ihrem Text wird ausschließlich die Produktion und der Transport von Pellets thematisiert. Wir glauben, dass hier eine wichtige Chance verpasst wird: Was passiert mit den Pellets nach ihrer Produktion? Es hat sich ein breiter Markt entwickelt, und zahlreiche Anwendungen existieren bereits. Auch hier sollte aktiv eingegriffen werden. Pellets werden beispielsweise bei Gehwegplatten oder Pflastersteinen verwendet, um ein Verkratzen zu vermeiden, oder zur Reinigung von Schiffen (eine moderne Alternative zum Sandstrahlen ist das sogenannte Pelletstrahlen). Solange die Nutzung der Pellets in solchen Anwendungsbereichen nicht geregelt wird, entstehen weiterhin Verluste. Wer Tonnen von Gehwegplatten verlegt, wird niemals jedes einzelne Pellet zurückholen. Dadurch gelangen erneut Tausende Pellets in die Umwelt.
  • Unsere Mitglieder finden Millionen von Kunststoffpellets entlang der Flüsse sowie an den Küsten von Nord- und Ostsee. Aktuell gibt es keine Industriebemühungen zur Beseitigung dieser Umweltverschmutzung.
  • In zahlreichen anderen Industrien wurde erfolgreich erreicht, dass kein Müll mehr in der Umwelt landet. Hieraus könnte man wertvolle Inspiration schöpfen.

Der Runde Tisch Meeresmüll unterstützt seit 2016 die Umsetzung nationaler Maßnahmen gegen Meeresmüll und dient als Informationsplattform aller relevanten Interessengruppen. Es nehmen rund 130 Expertinnen und Experten teil, z. B. aus Fischerei, Schifffahrt, Industrie (Kunststoff, Kosmetik, Reifen), Einzelhandel, Wissenschaft, Bildung, Tourismus, Umweltverbänden, Behörden, Politik und Kunst. Startseite | Runder Tisch Meeresmüll